Im Juli 2016 wurde Microsoft Dynamics 365 das allererste Mal als cloudbasiertes SaaS-Modell der Microsoft Dynamics Reihe vorgestellt und beim allgemeinen Release am 1. November 2016 erschienen erstmal zwei Versionen: Dynamics CRM und Dynamics AX wurden zur Dynamics 365 Enterprise Edition zusammengelegt, während das so genannte „Project Madeira“, das auf dem Programmcode von Dynamics NAV basiert, zur Dynamics 365 Business Edition wurde. Neben weiteren kleinen Divergenzen liegen die Hauptunterschiede in der Zielunternehmensgröße und dem Umfang.

Dynamics 365 in der Business Edition wurde für kleinere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern entwickelt und bot die wichtigsten Basisfunktionen. Daneben wurde die Enterprise Edition für größere Unternehmen ab 250 Mitarbeitern konzipiert und enthielt den vollen Funktionsumfang.

Doch was schwelgen wir in der so jungen Vergangenheit des neuen Produktes der Microsoft Dynamics Reihe, wenn doch beide Versionen im Frühjahr dieses Jahres fusioniert wurden und nun Dynamics 365 eine einzige Anlaufstelle für Unternehmen jeder Größe bietet. Neben der SaaS Variante von Dynamics bleibt natürlich noch die „klassische“ On-Premise-Lösung Microsoft Dynamics NAV. In diesem Artikel sollen genau diese beiden Programme, Microsoft Dynamics NAV und Microsoft Dynamics 365, verglichen werden.

Der erste und auch schon markanteste Unterschied wurde schon zu Beginn dieses Artikels erwähnt: Dynamics 365 ist ein SaaS-Modell (Software as a Service-Modell). Das bedeutet, dass der Service auf Abonnement-Basis lizensiert, zentral von Microsoft gehostet und über das Web bereitgestellt wird. Die Daten liegen also bei Microsoft in der Cloud. Dies bringt mit sich, dass es kaum Verwaltungsaufwand für die IT gibt und der Service automatisch upgedatet wird. Ebenso wird keine eigene Hardware benötigt, was wiederum Kosten spart.

Währenddessen ist Dynamics NAV auch als SaaS-Modell erhältlich, aber eher in der klassischen On-Premise-Version bekannt. Der Dienst wird hierbei auf eigener oder gehosteter Hardware ausgeführt und die Daten liegen auf eigenen Servern. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, dass man für Dynamics NAV einmalig eine Lizenz erwirbt und User einmalig hinzukauft, während für den Service von Dynamics 365 monatliche Lizenzgebühren pro Nutzer anfallen. Die On-Premise-Lösung bietet somit Concurrent User, während bei der Cloud-Lösung jeder Nutzer eigens lizensiert werden muss. Somit steigen die Kosten mit der Anzahl der Nutzer, die monatlich hinzu- oder abgebucht werden können.

Wird Dynamics NAV nun von Dynamics 365 ersetzt?

Wird Dynamics NAV nun von Dynamics 365 ersetzt? Nein! Während Dynamics NAV eine reine ERP-Software ist, bietet Dynamics 365 Service für ERP und CRM in einem. Es erweitert somit NAV um die CRM-Funktionalitäten, ersetzt es aber nicht. Es gibt bezüglich des Umfangs noch andere Unterschiede. Beim Erwerb einer Lizenz von NAV, kauft man alle relevanten Geschäftsbereiche, während man bei Dynamics 365 nur für die Funktionen bezahlt, die auch wirklich benötigt werden.

Ein Nachteil von Dynamics 365 sind aber die Erweiterungsmöglichkeiten. Zwar werden branchenspezifische und zielgruppenorientierte Anwendungen über Apps bereitgestellt, jedoch ist es nicht möglich, wie bei Dynamics NAV, kundenspezifische Erweiterungen und Schnittstellen zu programmieren.

Microsoft möchte mit Dynamics 365 und ihrer Lösung in der Cloud einen richtungsweisenden Schritt in die Zukunft gehen. Fakt ist jedoch, dass Microsoft Dynamics NAV auf keinen Fall vernachlässigt wird, sondern trotzdem 13 Milliarden Dollar in die Weiterentwicklung dieses Programmes investiert werden. Kein Wunder: Dynamics NAV hat derzeit weltweit knapp 115.000 Installationen, während Dynamics 365 noch ganz am Anfang steht.